was mit reisen

Wasmitreisen - Das erste Reiseradio für Profis im Internet

was mit reisen

Hintergrund, Klatsch und Service für Touristik-Profis

Querdenken und Querscrollen, z.B. mit den Pfeiltasten ...

Suche

Info über neue Beiträge

E-Mail-Adresse eingeben:

Podcast abonnieren

Klicken Sie bitte auf diesen Link, um den Podcast kostenlos zu abonnieren.

Reiseradio 092 – Rekorde in Berlin, aber Hotels hadern mit Preis / Waldorf Astoria – West-Berlins neue 1. Adresse / Tulpen nicht nur aus Amsterdam – Holland boomt / Schüler haben keine Angst vor Ägypten-Urlaub / Buchtipp: Terra Polaris

20. Februar 2012

Play

Als Journalist habe ich normalerweise Verständnis, wenn Beschäftigte selbst den Streik als Mittel der letzten Wahl sehen, um ihre wahrscheinlich nicht unberechtigten Interessen gegen „die da oben“ durchzusetzen. Aber was momentan am Frankfurter Flughafen passiert, ist einfach lächerlich. Da stehen geradezu absurde Forderungen im Raum von gerade mal 200 Hanseln, die mit ihrer Maßlosigkeit nicht nur Zigtausend Passagiere in Bedrängnis bringen,  sondern auch die übrigen Beschäftigten am großen Drehkreuz zu nervenaufreibender Mehrarbeit wegen der gestrandeten Menschen zwingen. 200 Menschen, die jetzt schon zu den sehr gut bezahlten Mitarbeitern gehören, nehmen die Fliegerei mit Millionenverlusten in Geiselhaft. Egal, wie dieser absurde Kleinkrieg ausgeht, hinterher dürften die Vorfeld-Arbeiter zu den meistgehassten Angestellten am Frankfurter Flughafen gehören. Auch eine Auszeichnung, die man sich hart erarbeiten muss…

Friedlicher geht es heute im Reiseradio zu. Auch wenn manche Hoteliers in Berlin trotz der Rekordzahlen bei den Übernachtungen in der Hauptstadt etwas resigniert die Faust ballen. Berlin ist nämlich vor allem auch deshalb so sexy für die Besucher, weil man hier sehr viel bekommt fürs Geld – verglichen mit anderen Metropolen. 70 Euro Durchschnittspreis für das Zimmer – da nähert sich Berlin Las Vegas an, wo die Hotelbetten auch oft fast verschenkt werden, weil man über den Casino-Umweg die Rendite erhofft. Leider ist die Auslastung in der Deutschen Hauptstadt aber weit entfernt von der der Spielermetropole. Gerade mal 50 Prozent – und wenn man nur die Innenstadthotels nimmt, 70 Prozent. Da fragt man sich, wo wird das Geld verdient? Burkhard Kieker, der Chef von Visit Berlin, ist sich des Problems bewusst, aber er muss natürlich das Große Ganze sehen. Jeder Besucher bringt Geld in die Stadt, und jetzt, wo der Senat mit Bettensteuer abkassieren will, ist jedes günstige Hotelzimmer doppelt Gold wert, wie er gleich im Gespräch erläutert.

Trotz der rechnerisch unbefriedigenden Hotelsituation in der Hauptstadt wird gebaut, dass es den Kränen schwindelig wird. Gerade in der Endphase ist das Waldorf Astoria, das nicht nur Berlins höchstes Hotel wird, sondern auch die City West am Bahnhof Zoo mächtig aufwerten soll. Die Internationalen Konzerne sehen Berlin langfristig immer noch als Goldgrube, weil man der Stadt weiter eine unglaubliche Entwicklung zutraut. Hotelinvestitionen ähneln heute einem Börsenspiel: da sind ja auch meistens Erwartungen schon in der Aktie eingepreist. Und Waldorf Astoria Direktor Friedrich Niemann, den ich zum Gespräch im 31 Stock auf der Noch-Baustelle traf, hat viele Visionen, was Auslastung und die Best Available Rate in Zukunft anzeigen.

Unser westlicher Nachbar Holland exportiert nicht nur geschmacklose Tomaten, sondern auch wunderschöne Blumen. Die wiederum, vornehmlich Tulpen in den kommenden Monaten, importieren umgekehrt Unmengen von Gästen Dieses Jahr noch mehr, weil es nicht nur den Keukenhof gibt, sondern auch noch die Floriade, eine Weltmesse der Gartenkunst. Lothar Peters, oberster Holland-Werber, peilt also den nächsten Besucherrekord im Land hinter den Deichen an. Eigentlich müsste er ein rundum zufriedener Mensch sein. Wenn der Staat ihm nicht das Budget gekürzt hätte. Um glatte 50 Prozent. Da mag in Den Haag die Tomaten-Devise gegolten haben: egal ob sie schmecken, und egal, ob wir sie bewerben – gekauft wird das Gemüse trotzdem. Warum soll das mit dem Tourismus nicht auch klappen…?

Expedienten am Reisebüro-Counter haben es momentan nicht leicht, Reisewillige für Ägypten zu überzeugen. Oft wird gerade bei den typischen Pauschalis von einer diffusen Angst berichtet – selbst in ihren sicheren All-Inclusive Anlagen am Roten Meer, die die meisten eh nicht verlassen. Diese Woche traf ich Schüler der Fichtenberg-Oberschule in Berlin. Sie hatten sich gerade von jungen Revolutionären aus erster Hand berichten lassen, wie es ist seit dem letzten Frühling. Deshalb wollte ich hinterher von Ihnen wissen, wie sie denn reagieren würden, wenn ihnen morgen jemand Urlaub anbieten würde im Land der Pharaonen. Mit einem sehr interessanten Ergebnis – nur, dass keiner von Ihnen sich vorstellen könnte, im Reisebüro klassisch zu buchen.

Und noch einen Buchtipp gibt es heute. Ein richtig schwerer Bildband über die Terra Polaris, also das Trekking in der Arktis und Antarktis. Das ist auch kein Produkt, das mal eben so über den Counter geht, aber manchmal ist Coffeetable Reisen ja auch sehr befriedigend. Ich sprach mit Michael Vogeley, der seine Lust am Abenteuer jedes Jahr ausleben muss. Ein Reisejournalist der ganz besonderen Art.

Reiseradio 091 – 10 Jahre Viabono – grüner Urlauben mit Zertifikat / 40 Jahre Romantik-Hotels – Kuscheln für die Seele / Gourmet und Genuss – Frankreich tischt auf / 17000 Inseln – Indonesien will mehr sein als Bali

13. Februar 2012

Play

In dieser Sendung von WasMitReisen schlagen wir einen weiten Bogen von 10 Jahre Viabono über 40 Jahre Romantik Hotels, den Genussfreuden in Frankreich bis hin zu den Anstrengungen Indonesiens, nicht immer nur als Bali zur Kenntnis genommen zu werden – weswegen man sich auch den Luxus leistet, 2013 Partnerland der ITB zu werden.

Umweltschutz und Tourismus – das ist auch nach vielen Jahren, Jahrzehnten gar, noch keine Liaison aus Liebe. Der Umweltschutz sieht den Tourismus naturgegeben kritisch, und die Manager der Konzerne wissen zwar, dass nur eine intakte Wohlfühlumgebung dem Urlauber Spaß macht, aber scheuen im knallharten Wettbewerb die Kosten. Vor allem, da beileibe nicht alle Konzerne an einem Strang ziehen. Die Reisenden selbst mögen zwar auch keine unappetitlichen Zivilisations-Hinterlassenschaften – über Müllkippen und schmutziges Meer kann man sich wunderbar erregen – aber der eigene Beitrag darf nur unterhalb einer sehr sensiblen Sorglos-Schwelle angemahnt werden. Umweltschutz ja, klar, aber bezahlen dafür? Eher nein. In diesem schwierigen Spannungsfeld versucht Viabono seit nun 10 Jahren Aufklärung und Verbesserung durch Zertifikate. Und hat dabei ganz raffiniert ein Grundbedürfnis seiner Kunden integriert: Umweltschutz kann sogar helfen, Geld zu sparen. Über dieses Modell spreche ich gleich mit dem Vorstands-Vorsitzenden von Viabono, Ullrich Langhoff.

Geben wir es doch zu: in uns allen schlummert eine romantische Ader. Spätestens am Floristen-Jubeldatum dieser Woche, dem Valentins-Tag, schwappt die Gefühlsduselei wieder über die mehr oder weniger Verliebten der westlichen Konsumwelt. Aber auch in der Hotellerie besinnt man sich wieder verstärkt, den Bauch anzusprechen. Design-Hotels der ganz coolen Art, die sich vielleicht gut machen in Hochglanz-Journalen der Architektur, werden zunehmend abgelöst von hedonistisch verspielten Alice-in-Wonderland Inszenierungen für die Seele. Kein Wunder, dass auch die jahrelang etwas verstaubt wirkende Romantik-Hotelgruppe wieder Erfolge feiert. 40 Jahre ist man nun am Laura-Ashley-Markt. Und nennt es selbst: Jubiläum 4.0 – ein bisschen Modernität muss es also doch sein. Ich sprach mit Romantik Vorstand Inge Struckmeier.

Leben wie Gott in Frankreich – das ist so einer der Slogans, der Goldstandard ist für erfolgreiches PR-Geschwurbele im Tourismusgewerbe. Heute heißt es dann: Atout France tischt auf – das Land des guten Geschmacks und der Gourmets. Denn Reiselust ist besonders schön, wenn sie durch den Magen geht. Da aber die französischen Regionen mindestens so vielfältig sind, wie die deutschen, haben die Tourismuswerber unseres westlichen Nachbarn ebenfalls die Quadratur des Kreises zu versuchen, neben dem Gourmet-Grundgedanken noch 1000 Girlanden und Geschmäckle präsentieren zu müssen. Ich habe mir den Luxus erlaubt, bei den Präsentationen der Regionen die Ohren zuzuklappen und führe gleich lieber ein Gespräch mit dem Koch der Medientournee, Kevin von Holt, warum allein der Bauch einen Frankreich-Trip Lohnenswert macht.

Noch ist die ITB 2012 nicht eröffnet, mit dem hoffentlich erfolgreichen Ägypten Abend, der auf Grund der aktuellen Wirrungen und Verirrungen am Nil gar nicht so zu Unrecht vorige Woche in Frage gestellt wurde, da läuft sich schon im Hintergrund der Messe-Partner für 2013 warm: Indonesien. Ein riesiges Land, das touristisch mehr oder weniger auf eine Insel reduziert wird: Bali. Zumindest aus westlicher Warte. Die Indonesier möchten das gerne ändern und zeigen, dass viele der anderen 17 000 Inseln auch ihre Liebreize bieten. Das ist ein schweres Geschäft, da es noch nicht einmal aus Deutschland eine direkte Linienverbindung nach Indonesien gibt, und die Veranstalter auch keine große Begeisterung erkennen lassen, in Fernost Weltentdecker zu spielen – wenn doch eine perfekte Infrastruktur auf Bali vorhanden ist. Wie Indonesien am Masterplan arbeitet, darüber spreche ich nachher mit der Verantwortlichen für den gesamten Welt-Tourismus nach Indonesien, Nia Niscaya.

Reiseradio 090 – Dieter Müller-Elmau Hotelier des Jahres / Robinson bekommt Special Award für Innovation / Mein Schiff 3 – erste Einzelheiten von Richard Vogel / TUI Fly und die Lust am Emissionshandel

6. Februar 2012

Play

Diese Woche wurde der Hotelier des Jahres ausgezeichnet in Berlin auf einer großen Gala. Und dieses Mal steckt der Deutsche Fachverlag dahinter mit seiner AGHZ, der Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung. Sozusagen dem Börsenblatt für die Branche.

Als Journalist ist man ja mittlerweile etwas vorsichtig geworden bei all diesen Ehrungen, denn sie sind tatsächlich unüberschaubar. Fast jeder Führer durch Küchen und Betten macht alljährlich sein Ranking. Da gibt es Veranstaltungen mit so vielen Preisträgern, dass der Hausfotograf hinterher selbst mit dem schönsten Weitwinkel nicht mehr alle aufs Bild bekommt. Und oft kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, die Auszeichnung wird nicht ganz uneigennützig verliehen und muss von Seiten der Geehrten durchaus mit Geld oder Sachleistungen kompensiert werden.

Nun sind es ja durchaus nicht die Schlechten, die sicher auch wohlverdient zu Ruhm und Ehre kommen. Und wenn ein Betrieb viel Geld in die Hand nimmt, um zum Beispiel ein protziges Messingschild mit dem 6-Star-Brilliant-Award neben die Tür zu nageln, dann wird es sich in seinen Augen auch rechnen für die Marketing-Wirkung.

Der Hotelier des Jahres, um den es heute geht, hat das wirklich nicht nötig. Ganz sicher nicht. Schloss Elmau. Das ist ein Name für die A-Prominenz aus Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur, es ist gleichzeitig ein Familienhotel und ein Spa-5-Sterne-Superior Resort. Der Mann, dem es mehrheitlich gehört, ist Dietmar Müller-Elmau. Ein Hotelier, der sich nicht als Hotelier fühlt, wie er mir im Gespräch verriet. Freuen Sie sich auf eine hochsympathische, kluge Plauderei.

Und es wurde noch – oder besser gesagt, nur noch – ein zweiter Award vor über 1000 Hoteliers ausgelobt. Für eine Hotelgruppe, die für eine ganze Urlaubs-Philosophie steht: Eine, die sehr konträr zum vorherrschenden festlichen Outfit der geladenen Fachgäste steht: der Robinson-Club wurde geehrt für seine Innovation und internationale Strahlkraft. Wenn das kein Zeichen war, dass der permanente Kindergeburtstag für Erwachsene nach Jahrzehnten in höchst seriösen Sphären gelandet ist… Ich sprach mit Ingo Burmester über die Metamorphose des Konzepts und seine geheimen Wünsche, wenn er nicht gerade das Unternehmen führen müsste…

Richard Vogel ist, na ja, der Flotten-Admiral bei TUI Cruises und erlebt gerade ein Wechselbad der Gefühle. Auf der einen Seite Vorfreude, dass endlich ein komplett neues 3. Schiff entsteht, auf der anderen Seite getrieben durch den Kollateralschaden der havarierten Concordia, der alle Kreuzfahrtunternehmen derzeit verunsichert. Und auch neben der menschlichen Tragödie Millionenverluste beschert. Ich traf Richard Vogel direkt nach seiner Landung aus Turku, wo er in der Werft die Pläne des neuen Flaggschiffs kontrollierte.

In der Luftfahrt gab es gefühlt kaum ein größeres Aufreger-Thema in den vergangenen Wochen, als den Emissionshandel. Das spielte schrill bis in die Außenpolitik der EU vor allem mit Amerika, Russland und China. Und man sah vor seinem geistigen Auge schon ausländische Fluglinien, die von Kampfjets escortiert sicherstellen wollten, dass ihnen kein Emissions-Euro berechnet wird… Ist natürlich alles Quatsch. Vor allem, wenn man mal genau nachrechnet, um welche Summen es tatsächlich geht – im Vergleich zu den horrend teurer werdenden Kerosin-Kosten für alle. Trotzdem irritierte , vorsichtig gesagt,  der TUIFly Chef Dieter Nirschl seine Airline-Kollegen mit ihrer Haltung – „wenn, dann nur, wenn alle weltweit mitmachen“ –  als er jetzt bekundete: Emissionshandel – find ich gut. Im Gespräch mit dem Reiseradio erläutert er gleich auch seinen Standpunkt.

Reiseradio 089 – Schöner Wohnen ohne Hotel : Housetrip, der neue Trend Ferienapartment / Ankommen und Aufleben – die Wiederentdeckung der „baumelnden Seele“ in Österreich / Klage der Donau: der ganze Tourismus bleibt am Fluss

30. Januar 2012

Play

Das Reiseradio war diese Woche in Wien bei der österreichischen Tourismusmesse ACTB. Verglichen mit der ITB natürlich eine niedliche Veranstaltung – aber deshalb auch entspannt mit mehr Zeit für Gespräche. Nach wie vor ist es ja so, dass die österreichische Tourismuswirtschaft Fieberschübe bekommt, wenn der deutsche Urlauber hüstelt. Doch der mag unsere Nachbarn derzeit wieder ganz gerne – vielleicht auch, weil das andere Bergvolk im Süden preislich gerade etwas unattraktiv ist. Oberschwester Petra Stolba von der Österreich Werbung hatte jedenfalls nach den schon chronisch anmutenden Schwächephasen der letzten Jahre wieder ein Patientenblatt der Rekonvaleszenz vorzuweisen. Mit ihr sprach ich auch über das Ankommen und Aufleben – den neuen Slogan der Österreicher, der mit Wellness fürs Gemüt begeistern möchte.

Nicht nur Wien liegt an der Donau – die touristische Mutter aller europäischen Flüsse ist nach wie vor eines der attraktivsten Ziele für die boomende Fluss-Schifffahrt. Passau – Budapest ist der klassische Renner. Vielleicht mittlerweile ein bisschen zu klassisch, denn die Mini-Trampelpfade, die die Gäste auf ihren Landausflügen rechts und links weg vom Ufer wagen, lassen ein Großteil des landschaftlichen und kulturellen Potentials der Region völlig ungenutzt. Da möchte man jetzt gerne mit neuen Programmen ein bisschen mehr Donau erschließen. Ein schweres Geschäft, wie Professor Gerhard Skoff mir gleich im Gespräch verrät. Denn der Präsident der Donau Tourist Commission weiß, wie träge Hafen-Agenturen sein können, wenn eingespielte Abläufe durchbrochen werden sollen.

Was vor Jahren noch eine Domäne des Landurlaubs war – das Ferienapartment – ist seit dem unglaublichen Erfolg des Städtetourismus nun ein ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor geworden, der der angestammten Hotellerie richtig Sorgen bereitet. Vor allem der im mittleren und Niedrigpreissegment. Kaum ein Ritz Carlton Kunde wird seinen Luxus und Service eintauschen wollen gegen ein noch so nettes Apartment in einer Szene-Gegend. Aber die Motel Ones dieser Welt, oder noch mehr die in die Jahre gekommenen Schrubbelabsteigen der drei und vier Sterne Klasse haben nun eine Konkurrenz, gegen die sie in der Regel unmöglich bestehen können. Für weniger Geld bekommen die Kunden eine viel schönere und größere Herberge. Wen kümmert es da schon am Wochenende, dass kein Zimmermädchen mal eben zehn Minuten durchfeudelt? Und das langweilige Frühstücksbüffet hat eh keine Chance gegen all die leckeren Kaffee und Croissant Angebote, die eine Stadt mal eben so bereithält. Kein Wunder, dass Vermittlungsplattformen im Internet gerade den Nerv der Zeit treffen und bereits ein Drittel der Hotelkapazität durch private Apartments ersetzt wurden. Über diesen Megatrend sprach ich mit Stephan Wiesener, einen der Gründer der Internetseite Housetrip – einen Alptraum für gestandene Hoteliers…

Und weil ich ja in Wien war, gibt es in diesem Reiseradio und auf der Website auch natürlich einige Wienimpressionen. Mein Kollege Rolf Nöckel hat zwei wunderbar gegensätzliche Eindrücke in dieser tollen Stadt gehabt.

Reiseradio 088 – Rosa Reisen – DERTour bringt einen eigenen Katalog für Gay Travel auf den Markt / Lasset die Kranken zu uns kommen: Medizintourismus als Boom / Spa und Wellness gut: Deutsche fahren gern ins Ausland

16. Januar 2012

Play

Schlimmes Wochenende für die Kreuzfahrt. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es noch mehr Fragen als Antworten. Aber es scheint sich immer mehr zu verdichten, dass der festgenommene Kapitän wahrscheinlich galant gegenüber den Bewohnern der Insel Giglio sein wollte und näher als geboten entlang der Küste fuhr, um mit Schiffshorn bella figura zu machen. Nun ist das Gegenteil der Fall: der Kreuzfahrtriese ist Schrott, es gibt Tote und tausende Verunsicherte, ob eine Cruise tatsächlich so harmlos ist, wie Busfahren auf dem Wasser. Costa,

Tochter des weltgrößten Vergnügungsdampfer-Konzerns  Carnival aus Miami, ist die Mutter der AIDA. Und man kann nur hoffen, dass die Italiener sich völlig raushalten aus der Operation. Denn das, was die vielen betroffenen Passagiere angsterfüllt in die Kameras erzählen, zeugt von Chaos pur in der Notfallbewältigung. Jeder, der schon mal auf der AIDA unterwegs war, weiß, wie überpenibel die Sicherheitsübung am ersten Seetag durchgezogen wird. Eben nicht nur als Termin für etwas dämliche Bilder für den Bordfotografen, sondern mit Druck. Das können die berichten, die als teuer zahlende Passagiere bei fauler Abwesenheit ihre deutliche Standpauke bekamen beim Staff-Captain.

Es ist auch schwer vorstellbar, dass die Nautiker der AIDAs in felsenverseuchten Küstengewässern Kapriolen fahren. Und dass die Offiziere schnell von Bord gehen, um ihre schmucken Uniformen nicht nass zu machen, so, wie es sich jetzt verdichtet, treibt einem die Zornesröte ins Gesicht.

Es ist ein schreckliches Unglück, das die Nachrichten des Wochenendes beherrschte. Selbst, wenn zum großen Glück im Unglück nur verhältnismäßig wenig Tote zu beklagen sind. Die Kreuzfahrtindustrie mit ihrer überwiegend älteren, sicherheits-suchenden Klientel wird es zu spüren bekommen.

Unser Topthema kümmert sich heute aber um eine ganz andere Gästegruppe. Ja, sie geht auch auf Kreuzfahrtschiffe. Vor allem, wenn eine ganz spezielle Tour versprochen wird: eine Woche Remmidemmi und Spaß mit tausenden Schwulen an Bord. Gay Travel, in Amerika längst ein Riesenmarkt mit speziellen Wochenenden bei Disney oder Badeferien im Club Med, mit Katalogen, die vom Starfotografen Bruce Webber in Szene gesetzt werden, und ohne jegliche Berührungsängste. Innerhalb der schwulen Community sprechen die Veranstalter vor allem die hedonistischen Partypeople an. Kein Wunder bei den wenigen Urlaubstagen der Amerikaner, die optimalen Spaß garantieren sollen.

In Deutschland ist das immer noch ein Nischenmarkt für kleine Spezialveranstalter und vor allem über das Web. In diesem Forellenteich möchte DERTour der Hecht sein. Seit dieser Woche gibt es einen eigenen Katalog Gay Travel – und ich sprach mit dem Macher Dietmar Malcherek, welches Fremdeln es vielleicht im Haus gab.

Eigentlich haben wir zwei Topthemen heute: denn ausführlich beschäftigen wir uns auch mit dem Gesundheitstourismus. Der liegt nicht im Verantwortungsbereich von Daniel Bahr. Denn es geht zunächst einmal um ausländische Gäste, die extra nach Deutschland kommen, weil wir so ein exzellentes medizinisches System haben. Über diese Privatpatienten freuen sich natürlich der Chefarzt und die Klinik, aber ebenso die Hotellerie und der Handel. Denn viele der Gäste kommen mit Familie. Und die will etwas erleben. Gerade boomt der Gesundheitstourismus in Berlin. Der oberste Tourismus-Werber Burkhard Kieker erklärt, warum.

Berlin ist natürlich nicht alleine auf dem Markt. Mitnichten. Gesundheitstourismus ist ein wichtiger Cluster, wie es heute heißt, bei den Werbemaßnahmen der DZT für ganz Deutschland. Mit durchschlagendem Erfolg, weil diese Deutschland-Gäste nicht nur finanziell potent sind, sondern auch in der Regel mindestens 14 Tage bleiben. Petra Hedorfer, oberste DZT-Werberin, hat die Zahlen für uns.

Dr. Sigrun Lang dagegen, die Präsidentin des Europäischen Heilbäderverbandes, sieht dagegen noch einen zweiten Trend. Deutsche, die über die Grenzen fahren, um sich dort vor allem günstiger behandeln zu lassen. Wobei wir als hochmedizinisch geschätztes Land eine einigermaßen skurrile Situation haben, die nicht nur Sozialdemokraten verunsichern dürfte: die Deutschen gehen über die Grenze für Kur und medizinische Behandlung, weil sie es sich sonst nicht leisten könnten, die Ausländer kommen zu uns…

Reiseradio 087 – Handwerkskunst als Reisegrund / Salzkammergut lockt mit wahren Werten / Einziger Klohäusl-Schreiner der Welt / Goiserer Schuh, Seiden-Dirndl und Hirschhornbrille

9. Januar 2012

Play

Direkt zu Beginn des Jahres gab es einige künstliche Aufreger-Themen. Ob es nun die medial wirksame aber fachlich mehr als fragwürdige Klatsche des NABU gegen die Kreuzfahrt-Reedereien AIDA oder TUI war, quasi als Dreckschleudern auf den Weltmeeren unterwegs zu sein, oder das absurde Pseudo Verbot der Wellness-Anlagen auf den sündteuren Malediven-Inseln, weil diese aus islamistisch-verquaster Sicht letztendlich nur getarnte Bordelle seien. Diejenigen, die sich trotz der Nachrichtenlage von Kairo nicht davon abhalten ließen, die Weihnachtsferien am Roten Meer zu verbringen hatten eine gute und günstige Zeit, Die Asienurlauber zum Beispiel in Thailand berichteten nun auch vom Süden eher ungewöhnlich regnerische Ferientage, die Alpen hatten an vielen Stellen endlich Schnee, und die Daheimgebliebenen in Deutschland mochten verzweifeln angesichts des nun schon Wochen anhaltenden Grusel- und Schnupfenwetters. Sie hören es wahrscheinlich auch an meiner Stimme.

In dieser Woche sind nun die Winterferien weitestgehend vorbei, das touristische Schwungrad dreht sich wieder langsam an. Für manche zu langsam angesichts immer noch etwas schleppender Buchungseingänge für den Sommer, und das Reiseradio startet entspannt ins Neue Jahr.

Ich war im Salzkammergut unterwegs auf der Suche nach wahren Werten – die man überwiegend auch mitnehmen kann. Nun gut, das sind natürlich zunächst mal die immateriellen Erinnerungen an Erlebtes und Begegnungen, wozu sich auch mein Kollege Rolf Nöckel am Ende der Sendung Gedanken macht. Aber wertiges Handwerk, mit Leidenschaft und Hingabe vor Ort produziert, ist immer noch eines der schönsten Mitbringsel; egal, ob nun aus Nah oder Fern. Vor allem dann, wenn man persönlichen Kontakt zu den Meistern haben kann und erkennt, wie viel Fachwissen und Arbeit in jedem Stück vereint ist. Solche Kleinodien, ob sie nun originale Schuhe oder Dirndl oder Getischlertes oder filigran Gebasteltes sind, entfalten zugegeben ihren wahren Reiz nur gegenüber dem neuen, stolzen Besitzer. Es ist eben die Geschichte dahinter, die für die Umgebung nicht nachvollziehbar ist. Und wir müssen uns ja alle an die eigene Nase fassen, wie sehr wir dem Preisdumping bereits erlegen sind, weil die nachgemachten Originale fernöstlicher Werkbanken den Markt billig überschwemmen.

In diesem Reiseradio geht es um die richtigen Originale von Handwerkskunst aus dem Salzkammergut. Man kann viele Qualitätsbetriebe sogar in einem gemeinsamen Reisekatalog finden namens Meisterstrasse. Mit einigen dieser Meister hatte ich sehr vergnügliche Gespräche und so werden Sie in der kommenden Stunde den einzigen, spezialisierten Klohäuschen-Tischler der Welt kennenlernen, erfahren, warum der Goiserer Schuh besser ist als all der Hightech-Kram aus dem Sportgeschäft, warum ein Oktoberfest-Dirndl nichts mit Qualitäts-Trachten vom Attersee gemeinsam hat, warum mechanische Uhren die Zeit faszinierender darstellen als der ganze Quarz-Abfall, warum in einer 3000-Seelen-Gemeinde bis zu 20 Geigenbauer arbeiteten, und warum Mode-Mutige sich in Bad Goisern ein Brillengestell aus dem Geweih eines Hirschen fräsen lassen.

Reiseradio 086 – Alles so schön bunt hier… – was Sie schon immer über das Tauchen im Roten Meer wissen wollten / Liebe Landluft – Studie über Deutschland-Tourismus abseits der Städte / Limousine zum Klo – Skurriles von der ITB

19. Dezember 2011

Play

Das Reiseradio-Programm für heute hat passend für die Weihnachtsflüchter Sonne und Palmen… nein, Strand und Meer. Vor allem das Meer unter der Wasseroberfläche. Es geht ums Tauchen in Ägypten. Nie war es zu Weihnachten so günstig, wie heute. Und das Rote Meer ist unabhängig von allen Wahlen und Veränderungen in Ägypten eine der absoluten Traumdestinationen für Taucher. Aber auch hier gilt, gewusst wo. Und deshalb haben wir heute im Reiseradio die beiden Experten Manuela Kirschner und Matthias Bergbauer zu Gast, die uns gleich genau erklären, worauf man beim Buchen eines Tauchurlaubes am Roten Meer achten sollte, damit es ein guter Urlaub wird.

Und weil wir beim Reiseradio so gerne Kontraste mögen, geht es beim zweiten Schwerpunkt um den Urlaub auf dem Lande – in Deutschland. Ja, und da fängt es schon an. Was meint der Drensek damit? Urlaub auf dem Bauernhof, oder Urlaub in Baden-Baden oder Binz? Das Interessante ist, die beiden Ministerien – Wirtschaft und Landwirtschaft – die diese Woche eine Studie dazu in Auftrag gaben, wissen es selbst nicht. Ich habe selten eine so skurrile Pressekonferenz erlebt, wo zwei Staatssekretäre komplett aneinander vorbeiredeten und wir nur hoffen können, dass wenigstens der DRV, der die Studie betreut, genügend Fachkompetenz besitzt. Federführend wird das Walter Krombach von der Willy Scharnow Stiftung überwachen. Ihn habe ich im Gespräch.

Diese Woche soll nun endlich das Papier unterzeichnet werden – dramatisch vor den Pyramiden von Gizeh – das die Ägypter zum Partnerland der ITB 2012 macht. Angesichts des Chaos in Kairo werden  Dr. Christian Göke von der Messe Berlin sicher drei Steine vom Herzen plumpsen, wenn die Tinte trocken ist auf der teuren Verpflichtungserklärung. Momentan gibt es noch etliche Lücken bei den Buchungen der Messeplätze. Das ist zwar jedes Jahr so, trotz Deadline Anfang September, aber dieses Jahr ist es noch auffälliger. Über den Trend zur hoffentlich Super-Spätbuchung und einige wunderbare Skurrilitäten spreche ich gleich mit David Ruetz, dem Leiter der ITB Berlin.

Reiseradio 085 – Khao Lak – 7 Jahre nach dem Tsunami: klappt die Frühwarnung? / Erfahrungen eines Hoteliers in Thailand: Rauf aufs Dach / Nostalgie-Lackierung für die Condor „Hans“: Kapitän schreibt Buch über 55 Jahre Ferienflieger / Ganz groß ganz klein: Miniaturwunderland Hamburg

12. Dezember 2011

Play

Heute gibt es wieder Radio im Reiseradio, nachdem letzte Woche die wasmitreisen-Internetseite ja sehr optisch geprägt war mit den 10 Videos aus Südkorea. Ihnen hat das Multimediale offensichtlich gefallen: die Woche war, gemessen an den Zugriffszahlen, eine der besten von wasmitreisen.de

Wir werden das mit den Videos deshalb auch weiter ausbauen. Diese Woche kann ich Ihnen zwei selbstproduzierte Filme anbieten: einmal den Erstflug der gerade getauften Nostalgie-Condor mit dem schönen Namen „Hans“ – und Eindrücke aus dem thailändischen Khao Lak, sieben Jahre nach der schrecklichen Tsunami Katastrophe Weihnachten 2004. Die filmischen Schnipsel habe ich am Rande der TUI-Programmpräsentation dort im November gedreht.

Khao Lak und Condor sind deshalb auch zwei starke Themen im Reiseradio diese Woche. Man braucht kein Prophet zu sein, um zu ahnen, dass der Süden Thailands wieder ausgebucht sein wird zu Weihnachten. Warm werden die Wellen über die makellosen Sandstrände spülen, die Hotelinfrastruktur ist schon längst vollständig wiederhergestellt; das beliebte Fernreiseziel ist trotz der vielen Krisen geradezu ein Selbstläufer für den deutschen Markt.

Man muss schon sehr genau hinschauen, um noch Spuren der Katastrophe zu entdecken. Im Prinzip ist das auch gar nicht im Sinn der Thais. Nicht, weil sie vor den Urlaubern etwas verbergen wollen. Aber in ihrer Mentalität schauen sie lieber nach vorn, denn zurück. Im wahrsten Sinne des Wortes ist Gras über die Sache gewachsen. Raumplanersich wurde die Chance vertan, etwas wirklich Neues zu schaffen. Den Gast empfängt wieder das wuselige Chaos.

Ich traf dort Harald Spahn, der für die GIZ, also die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, mit dem Tsunami Frühwarnsystem betraut ist. Da wurde viel Geld in Technik verballert, wie so häufig. Nun ist die meiste Technik schon Schrott, aber irgendwie läuft es trotzdem. Wenn nur die Sorglosigkeit der Urlauber nicht wäre.

Darüber berichtet mir auch Wolfgang Meusburger, ein Hotelmanager, der das Unglück hautnah mitbekommen hat, und auch die planlose Zeit danach. Wie auf einem Kreuzfahrtschiff, so müsste er eigentlich auch einmal die Woche eine Notübung abhalten… aber wer will das den sonnenhungrigen Urlaubsgästen wirklich zumuten…?

Wenn wir über Risiko sprechen, dann ist Fliegen heute sicher eines der sichersten und auch komfortabelsten Fortbewegungsmittel der Welt. Das mit dem komfortabel meine ich als jemand, der in der Holzklasse mit 1,95 Metern immer Höllenqualen leidet, natürlich auch eher global, denn die Alternative zum Beispiel nach Thailand zu kommen, ist ja nicht wirklich verlockend. Das war zum Beginn des Feriencharter-Verkehrs noch ganz anders. Mitte der 50er war Fliegen ein Abenteuer und auch von der Flugdauer her noch weit vom Jet-Set-Feeling entfernt. Zu dieser Zeit wurde die „Deutsche Flugdienst“ geboren, die heutige Condor. Sie ist jetzt die älteste Charter-Airline Europas. Anlässlich der dazu passenden Taufe eines nostalgisch lackierten Airbus sprach ich mit Kapitän Karl-Peter Ritter. Aus einem besonderen Grund natürlich mit ihm: er hat gerade ein prachtvolles Buch herausgegeben über 55 Jahre Condor.

Flugbegeistert ist auch Sebastian Drechsler. Allerdings jongliert er lieber mit kleinen Maschinen. Die machen zwar auch mächtig einen auf dicke Hose mit Starts und Landungen im Minutentakt, aber der dazugehörende Airport hat keinen Dreiletter-Code, und Knuffingen werden Sie eh nicht auf der Karte finden. Sebastian darf hauptberuflich spielen – nämlich als Bruder von den Zwillings-Chefs und Pressesprecher des Miniatur-Wunderlands-Hamburg. Das war mal das Mekka der Modelleisenbahner, aber mittlerweile sind die Züge eher nur noch schmückendes Beiwerk. Eine hin und her rumpelnde Dekoration für eine der faszinierendsten Miniwelten der Welt. In Hamburg hat sich die Schnapsidee mittlerweile zur Touristenattraktion Nummer Eins entwickelt. Also unzweifelhaft ein Thema fürs Reiseradio.

Reiseradio 084 – Sondersendung DRV Südkorea / Jürgen Büchy, und wie er den Verband reformieren möchte / Charm Lee über sein fernes Juwel / Gastgeber Montenegro 2012 will auf Landkarte zurück

26. November 2011 — 1 Comment

Play

Das Reiseradio, immer noch fern der Heimat, in Südkorea, bei der Jahrestagung des DRV. Es ist eine, gemessen am sonstigen Herdentrieb des Verbandes, relativ kleine Gruppe, die den Weg nach Daegu gefunden hat; perfekt umsorgt von den immer freundlichen und sich permanent verbeugenden Gastgebern. Es ist eine, gemessen an der sonstigen Streitlust des Verbandes, relativ gelassene Zusammenkunft. Man scheint sich daran gewöhnt zu haben, dass es eben nicht mehr die heile Urlaubswelt der Anfangsjahre gibt, und dass die Herausforderungen von allen Seiten ungerührt auf den heterogenen Branchenclub einprasseln – egal, ob man nun den Kopf in den Sand steckt und Veränderungen einfach nicht, oder, alternativ, auch wutschnaubend, zur Kenntnis nimmt. Natürlich war am Dienstag eigentlich nur ein Thema beherrschend auf den Flügen; spätestens, nachdem man merkte, dass Peter Fankhauser nicht eingecheckt hatte: die finanziell bedrohliche Situation der britischen Mutter von Thomas Cook und Neckermann. Da spürte man schon echte Anteilnahme der Konkurrenten, dass die Nachrichten aus London sich nicht negativ auf das deutsche Geschäft auswirken mögen. Denn das würde einen Strudel erzeugen, der das prognostizierte weitere Wachstum nach dem sehr guten Jahr 2011 wohl zur Makulatur werden ließe. Es reicht ja schon, dass Ägyptern auf der Straße gerade dabei ist, das optimistische Pflänzchen Wintergeschäft niederzutrampeln. Nun scheint zumindest das Thema Thomas Cook bei der Produktion dieses Reiseradios vom Tisch zu sein, nachdem die Banken die Kreditlinie doch erweitert haben… aber dennoch: es würde den Rahmen dieser Begrüßung bei weitem sprengen, wenn man alle dunklen Wolken am Reisehimmel benennt, die in den kommenden Monaten noch für kalte Duschen sorgen könnten.

Zum Glück für die Branche hat ihr neuer Präsident ein eher sonniges Gemüt. In der Ruhe liegt die Kraft. Und gefühlt ist er an der Spitze des Verbandes angekommen – auch bei denen, die letztes Jahr in Agadir eher den alternativen Jürgen auf den Thron hieven wollten. Jürgen Büchy macht nun ernst mit der Vielstimmigkeit; wohl wissend, dass es eh fast nie mehr eine Stimme des DRV geben wird. Breit diskutieren und dann kommunizieren ist seine Strategie. Früher war das ja eigentlich komplett andersherum. Und deshalb landeten erst mal alle Streitthemen in Fachrunden. Wie schon gesagt: selten so eine harmonische Jahrestagung erlebt.

Aber trotzdem wird man sich intern die Frage stellen müssen beim DRV, ob es noch so weitergehen kann mit den Meetings. Zwar hat Charm Lee als Gastgeber strahlend geglänzt, wie man das von ihm erwartet hatte – mehr dazu gleich im Gespräch mit ihm – aber der Sinn einer eher unwichtigen Tagung ohne prickelnde Inhalte so entfernt von Deutschland muss erst einmal neu definiert werden. Auch vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit. Nächstes Jahr lädt Montenegro ein. Das ist ja fast schon vor der Haustür, und Karlo Petelin, Montenegros Cheftouristiker in Frankfurt, wird gleich im Reiseradio-Gespräch deutlich machen, welche großen Erwartungen man an der Adria hat in Bezug auf diese Initialzündung für den deutschen Markt.

Aber Jürgen Büchy wird sicher im Jahr Zwei seines Amtes den Verbandstag brutal auf den Prüfstand stellen müssen mit der Vorgabe: alles kann wegfallen, alles darf neu gedacht werden. Denn offen gesagt: mit dieser traditionellen, gepflegten Langeweile des ritualisierten Treffens wird man es sehr schwer haben, für künftige Jahrestreffen Touristiker zu begeistern, sich mit Zeit und Geld zu engagieren.

Jürgen Büchy ist übrigens fast der Alleinunterhalter in dieser Ausgabe des Reiseradios: 30 Minuten spannendes und vergnügliches Kamingespräch – vor allem auch für all die, die nicht dabei waren und trotzdem aus allererster Hand erfahren wollen, wo der Verband heute steht.

Reiseradio 083 – REWE Frankfurt glänzt wieder mit guten Zahlen / DERTour mit Familienkatalog / Ganz exklusiv: der Inner Circle von Airtours / Töpfchen und Deckelchen: die Hotelkonzepte der TUI

21. November 2011

Play

Das Reiseradio ist gerade zurück aus dem schönen, offen gestanden mir noch unbekannten Toledo, das dank der Programm-PK der Frankfurter REWE-Reiseexperten auf einmal zum Städte-Ziel wurde und neben Daten und Fakten auch noch wunderbar Sinnliches bereit hielt, wie Wein, Olivenöl und Marzipan.

Der süßen Schnüzerei angepasst war erwartungsgemäß auch der Vortrag von Michael Frese, der satte über 1,7 Milliarden Euro Umsatz vermeldete mit 125 Millionen Plus gegenüber dem Vorjahr. Zumindest im gehobenen breit aufgestellten Veranstalterbereich ist das abgelaufene Jahr also letztendlich doch so gut in den Büchern abgeschlossen worden, wie man es vor Jahresfrist erhoffte. Wie Michael Frese die Chancen für das Jahr 2012 sieht, erläutert er gleich ausführlich im Reiseradio.

Während andere Mitbewerber auf dem Markt vor lauter Konsolidierung und interner Umbaumaßnahmen weniger Kraft in Programm-Innovationen stecken konnten, hat man in Frankfurt komplett Inhouse an einem Produkt gebastelt, das zunächst einmal sehr untypisch erscheint für die Marke DERTour; aber – auch wieder im Tenor der Alleinstellungsbemühungen aller – gute Chancen hat, ein neues Segment zu etablieren: ein Familienkatalog für die Nahziele, gespickt mit gemeinsamen Aktivitätsprogrammen für Eltern und Kinder. Hier soll sich der Erfolg der Städtereisen mit ihrer Unzahl an buchbaren Zusatzmodulen in ganz anderer Umgebung wiederholen. Ich spreche darüber mit der Verantwortlichen Sabine Gerhard.

Ebenfalls die Familie als Zielgruppe entdeckt hat ein anderer Veranstalter, bei dem man das auch nicht unbedingt vermuten würde: der High-End-Luxus-Landverschicker Airtours. Denn mitnichten nur verliebte Paare oder in Ehren ergraute Eheleute lassen es gerne mal richtig krachen auf hohem Niveau. Zunehmend ist es auch zur Freude der Urlaubsmacher die Gemeinschaft Drei-Plus, die die Suiten der Nobelherbergen bucht. Madame Airtours, Kirsten Feld-Türkis, erläutert gleich das Konzept hinter dem Werben um die lieben Kleinen und gibt Einblicke in den Inner Circle, den die meisten von uns wohl auf Grund des fehlenden Buchungsvolumens nie erreichen dürften.

Wir haben im Reiseradio ja schon ausführlich über das neue TUI Hotelkonzept Viverde gesprochen. Bei der Programm-Pressekonferenz wurde deutlich, wie sehr der Branchen-Primus künftig auf seine exklusiven Angebote setzt. Stefanie Schulze zur Wiesch ist die Verantwortliche hinter den TUI-eigenen Brands. Im Reiseradio erläutert sie gleich, warum Hannover überzeugt ist, hier den Königsweg für die etablierten Full-Sortimenter zu beschreiten.

Und mein Kollege Rolf Nöckel von der Westdeutschen Zeitung hat auch wieder seine Gedanken zum Thema Reisen beigesteuert, die sich dieses Mal mehr um das Ankommen drehen. Viel Hörstoff also in dieser Ausgabe des Reiseradios. Schön, dass Sie dabei sind. Noch schöner, wenn Sie wasmitreisen.de im Internet besuchen. Angesichts des Jubiläums 20 Jahre Pleite der legendären Pan Am zeigen wir schon mal vorab die Pilotsendung der amerikanischen TV-Serie über die damals wunderbare Zeit des Fliegens – und für alle unsere Zuhörer, die es diese Woche nach Südkorea zur DRV-Tagung zieht, gibt es auch noch einen Videosprachkurs für die bessere Verständigung. Da bleibt es mir nur noch, Ihnen An Nyoung zu sagen.